Fairer Kaffee

Direkter Handel vs Direktimport

Wo es geht suche ich die Kaffeesorten nach Geschmack und Qualität direkt vom Farmer oder Kooperativen aus. Doch nicht jeder kleine Farmer spricht Englisch, hat Internet oder überhaupt eine Exportlizenz. Einige Kaffees werden dann von Kooperativen als Single Varieties einzeln verkauft. Der Farmer bekommt sein Geld gleich, ich zahle der Kooperative. Doch einzelne Säcke soweit her zu bekommen ist logistisch aufwendig und teuer, deshalb muss auch ich einige meiner Säcke von Händlern in Europa beziehen. Allerdings lege ich auch hier Wert auf direkten Handel mit den Farmern und herausragende Qualitäten. Oft werden auch gemeinnützige Projekte mit dem Kauf der Kaffee unterstützt.

Faire Bezahlung

Das bedeutet für mich, dass entweder ich genau das zahle was der Farmer für seinen Kaffee möchte, oder das ich mit Firmen zusammenarbeite die ebenfalls nach Geschmack und Qualität bezahlen, und nicht nach dem ständig schwankenden Börsepreis.

Jedes Jahr auf meinen Plantagenbesuchen sehe ich, wie anstrengend und zeitaufwendig die Arbeit der Farmer ist und wie schwer es ist, qualitativ guten Kaffee herzustellen.
Ein Pflücker bekommt oft nur rund 70 US Cent pro Tag. 3 $ wären zB gesetzlich festgelegter Mindestlohn in Nicaragua. Der Farmer, der Billigkaffee erzeugt, bekommt rund 50–70 Cent pro Pfund.

Warum sollst Du mehr als im Supermarkt für Kaffee bezahlen?

Guter Kaffee muss von der Pflanze bis in die Tasse kontrolliert und selektiert werden. Nicht nur nach Geschmack, vor allem nach Qualität. Kaffeefarmer geben sich viel Mühe die Kaffeebäume und Kirschen so zu behandeln, dass wir hier aussergewöhnliche Geschmacksrichtungen bekommen. Vom Börsepreis kann kein Farmer überleben. Die Arbeit mit Kaffee ist so derartig Zeitaufwendig… dann noch der Transport, das Verzollen, die Handlinggebühren…bis ich den Rohkaffee in der Rösterei habe ist er schon durch sehr viele Hände gegangen die alle ihre Familien ernähren müssen. Die meisten Kaffees werden handsortiert, nicht überall kann man sich teure Sortiergeräte leisten. Indem ich dem Farmer mehr für seinen Kaffee bezahle, weiss er, dass gute Kaffee besser bezahlt wird und bemüht sich auch im nächsten Jahr wieder Top Qualität zu liefern.
Auch die Arbeit des Rösters ist nicht zu unterschätzen. Die richtigen Kaffees zu finden und testen ist sehr zeitaufwendig. Das ab – und Umladen von Kaffeesäcken anstrengend. Die Röstvorbereitung, und Nacharbeit ebenfalls… Und vor allem das Know How den Kaffee perfekt zu rösten statt zu toasten ist eine Wissenschaft und Handwerk für sich.
Je kleiner der Röster umso Zeitaufwendiger.

Gibt es für Lokale auch Tassen und Maschinen gratis?

NEIN! Solche Rattenfängerangebote sind nie umsonst. Wer sich keine Maschine für seinen Coffeeshop leisten kann hat grundsätzlich bei seinem Konzept einen Fehler gemacht. Ich konzentriere mich auf Kaffeequalität und bin keine Bank. Diverse Leasing oder Kreditformen können mit der Bank gemacht werden, nicht mit mir.

Wie soll Kaffee schmecken?

Das ist genau so schwer zu beantworten wie „welcher Wein ist der beste?“
Geschmäcker sind verschieden. Guter Kaffee jedoch ist balanciert mit ausgewogenen Fruchtsäuren, Süße und einem guten Abgang.
Kaffee hat weit über 800 Geschmackskomponenten – doppelt soviel wie Wein – die Röstung kann das zum Vorschein bringen.

Meine Aufgabe als Rösterin ist es, je nach Varietät und Verarbeitungsart, die besonderen Charaktereigenschaften der Bohne hervorzuheben und nicht zu vernichten. Deshalb vermeide ich auch dunkle, verbrannte, ölige Röstungen, sondern röste mittel bis hell, je nachdem ob der Kaffee mit Espressomaschinen oder Filtergeräten zubereitet werden soll.

Kilo – und Tassenpreise

Hier ein Vergleich: Kaffeebohnen, selbst gemahlen, direkt gehandelt, frisch und mit enormer Auswahl:

  • Kaffeebohnen (10 Gramm/Tasse): Bei einem Kilopreis von 30 € beträgt der Preis pro Tasse 30 Cent

Und im Vergleich dazu eine Auswahl von etwa 25 Kapselgeschmäckern (Alu inkludiert):

  • Kapselkaffee  (5,1 Gramm/Kapsel): Bei einem Kapselpreis von 56 Cent beträgt der Preis pro Kilo bereits 109 €.

Mit 333 Gramm Kaffee (ab 10€) kann ich rund 33 Tassen Espresso genießen.

1 Flasche Wein = 7 Gläser …… 5,90 – 25,90 €
1 Teebeutel …….. 0,20 – 0,50 €
1 Flasche Bier …….. 0,89 – 2,50 €
1 Kipferl ……………. ca. 1 €

Von billigen Kaffees (3,90 € – 15 € pro Kilo) ist aus qualitativen Gründen abzuraten. Sie beinhalten oft defekte oder unreife Bohnen, Fremdkörper wie Steine oder Schalenreste und liefern dadurch ein beeinträchtigtes Geschmackserlebnis.